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Informationssicherheit für KMU: pragmatisch starten, wirksam schützen

  • Autorenbild: Marius Satzkowski
    Marius Satzkowski
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

1. Warum Informationssicherheit für KMU entscheidend ist

Informationssicherheit klingt für viele kleine und mittelständische Unternehmen zunächst nach einem Thema, das eher in großen Konzernen zuhause ist: viel Papier, viele Prozesse, hohe Kosten. In der Realität ist es jedoch genau umgekehrt. Gerade KMU sind häufig besonders attraktive Ziele, weil Angreifer dort oft auf weniger Schutzmaßnahmen treffen – und weil ein einzelner Vorfall schnell erhebliche Schäden verursachen kann. Wenn zentrale Systeme ausfallen, Daten verschlüsselt werden oder sensible Informationen abfließen, ist das nicht nur ein „IT-Problem“, sondern betrifft unmittelbar den Betrieb, die Lieferfähigkeit, die Kundenbeziehung und im Zweifel auch die rechtliche Verantwortung, etwa im Zusammenhang mit der DSGVO. Die gute Nachricht ist: Man muss nicht mit einem großen Sicherheitsprogramm starten, um deutlich sicherer zu werden. Mit klaren Prioritäten und einigen gut umgesetzten Grundlagen lässt sich das Risiko spürbar senken.


2. Typische Risiken im KMU-Alltag

Viele Sicherheitsvorfälle entstehen nicht durch hochkomplexe Angriffe, sondern durch sehr alltägliche Situationen. Phishing und Social Engineering gehören dabei zu den häufigsten Ursachen: gefälschte Rechnungen, vermeintliche Paketbenachrichtigungen oder täuschend echte Microsoft-Login-Seiten sind so gestaltet, dass sie unter Zeitdruck schnell glaubwürdig wirken. Kommt dann noch hinzu, dass Passwörter schwach sind oder mehrfach verwendet werden, reicht ein einzelner Fehler aus, um Zugriff auf E-Mail-Postfächer, Cloud-Dienste oder sogar Administratorkonten zu bekommen. Ebenfalls typisch sind veraltete Systeme und fehlende Updates, etwa bei Servern, Firewalls, NAS-Systemen oder längst vergessenen Anwendungen, die nie konsequent gepatcht werden. Häufig trifft man zudem auf zu weitreichende Berechtigungen nach dem Motto „Jeder kann alles“, was zwar bequem ist, aber im Ernstfall dazu führt, dass ein kompromittiertes Konto sofort großen Schaden anrichten kann. Ein weiterer Klassiker sind Backups, die zwar existieren, aber nie getestet wurden – oder im gleichen Netzwerk liegen und daher im Ransomware-Fall gleich mitverschlüsselt werden.


3. Der pragmatische Ansatz: 80/20 statt Perfektion

Für KMU hat sich ein pragmatischer Ansatz bewährt: nicht Perfektion anstreben, sondern gezielt die größten Risiken reduzieren. Informationssicherheit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhaken kann, sondern ein fortlaufender Prozess aus Technik, Organisation und Verhalten. Wer die häufigsten Angriffswege schließt und einfache Routinen etabliert, erreicht mit überschaubarem Aufwand bereits einen sehr großen Sicherheitsgewinn. Eine der wirksamsten Sofortmaßnahmen ist die konsequente Einführung von Multi-Faktor-Authentifizierung, insbesondere für E-Mail, Cloud-Dienste, VPN-Zugänge und Administratorkonten. MFA verhindert einen großen Teil der Kontoübernahmen, selbst wenn ein Passwort einmal in falsche Hände gerät. Genauso wichtig ist eine feste Patch- und Update-Routine, die nicht nur Clients, sondern auch Server, Netzwerkkomponenten und Anwendungen umfasst, inklusive eines schnellen Prozesses für kritische Sicherheitsupdates.


4. Die wichtigsten Maßnahmen: Technik, Menschen und Notfallfähigkeit

Backups sind ein weiterer zentraler Baustein, allerdings nur dann, wenn sie richtig umgesetzt sind. Bewährt hat sich die 3-2-1-Regel: drei Kopien der Daten, auf zwei unterschiedlichen Medientypen, davon eine Kopie offline oder zumindest unveränderbar (immutable). Entscheidend ist außerdem, die Wiederherstellung regelmäßig zu testen, denn „Backup erfolgreich“ ist nicht dasselbe wie „Restore funktioniert“. Parallel lohnt es sich, die E-Mail-Sicherheit zu erhöhen, weil E-Mail nach wie vor der häufigste Einstiegspunkt für Angriffe ist. Gute Filter, das Einschränken von Makros, das Prüfen von Anhängen und Links sowie eine saubere Konfiguration von SPF, DKIM und DMARC reduzieren das Risiko deutlich, dass Mitarbeitende auf gefälschte Absender hereinfallen oder schädliche Inhalte unbemerkt durchrutschen.

Ein weiterer Hebel liegt in der konsequenten Rechtevergabe nach dem Prinzip der minimalen Berechtigung. Admin-Rechte sollten nur dort existieren, wo sie wirklich gebraucht werden, idealerweise mit getrennten Admin-Accounts, die nicht für den normalen Arbeitsalltag genutzt werden. Auf Endgeräten helfen moderne Endpoint-Schutzlösungen und eine durchgängige Festplattenverschlüsselung, insbesondere bei Laptops im Homeoffice oder Außendienst, um Datenverlust bei Diebstahl oder Verlust zu vermeiden. Remote-Zugänge sollten so abgesichert sein, dass keine direkten Administrationsdienste wie RDP offen im Internet erreichbar sind. VPN oder Zero-Trust-Zugänge mit MFA, klare Zugriffsbeschränkungen und – wo sinnvoll – geografische oder IP-basierte Limits sind hier einfache, aber sehr effektive Maßnahmen.

Technik allein reicht jedoch nicht aus. Ein kurzer, regelmäßiger Aufbau von Sicherheitsbewusstsein ist für KMU oft wirkungsvoller als seltene, lange Schulungen. Wenn Mitarbeitende alle paar Monate für wenige Minuten konkrete Beispiele sehen, typische Betrugsmaschen erkennen lernen und vor allem wissen, wie und wo sie Verdachtsfälle schnell melden können, sinkt die Erfolgsquote vieler Angriffe erheblich. Ebenso wichtig ist ein grundlegendes Inventar: Welche Geräte, Systeme, Cloud-Dienste und Anwendungen gibt es überhaupt, und wer ist dafür verantwortlich? Schon eine einfache Übersicht schafft die Basis, um Updates, Zugriffe und Notfallmaßnahmen kontrollierbar zu machen. Ergänzend dazu sollte ein knapper Notfallplan existieren, idealerweise auf ein bis zwei Seiten. Darin steht, wer im Ernstfall entscheidet, welche externen Kontakte wichtig sind, welche Systeme priorisiert wiederhergestellt werden und wo zentrale Informationen wie Backup-Zugänge oder Schlüssel sicher abgelegt sind.

Viele KMU fragen sich, ob sie sofort eine Zertifizierung wie ISO 27001 brauchen. Für manche Branchen und Kundenanforderungen kann das sinnvoll sein, aber für den Einstieg ist es oft ausreichend, sich an Standards zu orientieren, ohne direkt den gesamten Zertifizierungsweg zu gehen. Standards liefern Struktur und helfen, nichts Wesentliches zu übersehen. Der pragmatische Weg ist häufig: zuerst die Basismaßnahmen sauber umsetzen, dann schrittweise ein Informationssicherheitsmanagement aufbauen, falls es für Kunden, Regulierung oder Wachstum nötig wird.



Fazit: Informationssicherheit in KMU ist vor allem eine Frage der Prioritäten und der Konsequenz. Wer Identitäten schützt, Updates im Griff hat, Backups belastbar macht und klare Abläufe für den Ernstfall etabliert, reduziert das Risiko massiv – ohne Konzernbudget und ohne monatelange Projekte. Der wichtigste Schritt ist, überhaupt anzufangen: mit wenigen, wirksamen Maßnahmen, die im Alltag funktionieren. So entsteht Schritt für Schritt eine Sicherheitskultur, die nicht bremst, sondern das Unternehmen stabiler, verlässlicher und langfristig wettbewerbsfähiger macht.

 
 
 

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